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Richard Hageleit - manualtherapuet

Liebscher Bracht Blödsinn

Liebscher Bracht sehen sich regelmäßig der Forschung voraus und postulieren Theorien über
Schmerzen, die in dieser Form den Erkenntnissen der modernen Schmerzforschung Jahre
hinterherhinken. Blödsinn.!?

Das Erklärungskonzept klingt auf den ersten Blick für viele Laien sehr plausibel. Lassen Sie uns
einige Punkte genauer betrachten.  Hierzu auch:

Liebscher & Bracht sehen in der gebeugten Haltung das Grundübel für viele Schmerzprobleme. Das
Sitzen, Schlafen mit angewinkelten Beinen und vorgezogenen Schultern, die Stufenlagerung, etc.
sollen die Vorderseite des Körpers verkürzen und die „Faszien Spannung“ erhöhen.

Faszien sollen hierbei verkleben und verfilzen, quasi (in Verbindung mit einer zuckerreichen Ernährung)
karamellisieren“, so dass die rückseitige Muskulatur zu hart arbeiten muss und somit
„Warnschmerzen“ entstehen können. Knorpel und Bandscheiben können in der Folge überlastet
werden, mit der Gefahr, dass „Bandscheiben platzen“ und „die armen Menisken bzw. der arme
Knorpel unter diesem Druck zermalmt wird“.

„Nährstoffe und Stoffwechselabfälle stauen sich in der Zwischenzellflüssigkeit“, so Liebscher &
Bracht wörtlich, die zunehmend übersäuert. Die Zellen werden immer weniger gut versorgt und
können ihren „Müll“ nicht mehr loswerden. Diesen Negativkreislauf stoppen wir und drehen ihn
herum.

Das Resultat: Willkommen im neuen Leben – schmerzfrei, gesund und voll beweglich“.

Und dieses neue, wunderbar schmerzfreie Leben erreichen Sie dann durch die eigens entwickelte
Osteopressur, Dehnungsübungen und das Benutzen verschiedener „Faszien Werkzeuge“, allesamt
mit dem Ziel, den gemeinsamen Feind, die „Faszien Spannung“, wieder zu normalisieren. Dadurch
lassen sich, so die Theorie, selbst zerstörtes Knorpelgewebe wieder aufbauen und
Knochenfehlstellungen beseitigen.

Lebensstilansätze werden ebenfalls erwähnt. So sollte man z.B. viel trinken, um gegen
Kalkablagerungen in der Schulter vorzugehen und Wasser in die Faszien zu bekommen.
Krafttraining wird dagegen kritisch gesehen, weil es nach der Überzeugung von Liebscher & Bracht
die vermaledeite Spannung in der Rückenmuskulatur oder Oberschenkelmuskulatur erhöht und sich
dadurch negativ auf Rücken- oder Gelenkschmerzen auswirkt.

Um es kurz zu machen:

Der größte Teil dieser Theorien ist schlicht widerlegt oder zumindest
hanebüchener Unsinn.

Faszien verfilzen und karamellisieren nicht, Bandscheiben platzen nicht, Schmerzen sind nicht
einfach mit einer gebeugten Sitz- und Schlafhaltung zu erklären, Trinken bringt keinen Kalk aus der
Schulter. Dem gesamten, einfachen Weltbild von Liebscher & Bracht widersprechen Jahrzehnte der
Schmerzforschung.

Ein Muskeltraining ist hoch wirksam gegen Muskel- und Gelenkschmerzen. 2/3 der Menschen, die
sich aufgrund einer Arthrose zunächst für einen Gelenkersatz am Kniegelenk entschieden hatten,
rücken nach einem Trainingsprogramm mit einer Muskelkräftigung von diesem Vorhaben ab. Solch
objektiv erfasste und gerade deswegen imposante Daten fehlen auf der Seite von Liebscher &
Bracht seit Jahren. Trotz eines jährlichen Millionenumsatzes gibt es keine einzige solide Studie, die
jemals durchgeführt wurde.

Nahelegen würden wir Ihnen auch gerne unsere anderen Beiträge aus der Reihe der Mythen, von
denen viele einen direkten Bezug zu den skurrilen Ideen und wilden Thesen von Liebscher &
Bracht haben.

Lesen Sie hier über die Mythen zu: „Faszien“, „Der besten Übung“, „Verspannten Muskeln und
Training“, „Die richtige Haltung“, „ISG-Blockaden“, etc.
Jetzt kann man sich natürlich fragen, was denn so schlimm an falschen bzw. substanzlosen
Erklärungen ist?

Erstmal wird hier deutlich, dass die Damen und Herren von L&B Ergebnisse der Forschung vieler
Jahre in weiten Teilen einfach ignorieren, ausblenden oder vielleicht gar nicht kennen, aber darüber
kann man ja vielleicht noch hinwegsehen.

Aber, …falsche und ungünstige Erklärungen sind eben nicht „unschuldig“. Wir wissen aus
verschiedenen Studien, dass die Art und Weise, wie wir die Hintergründe von Beschwerden
erklären, Schaden anrichten kann.

Falsche Erklärungen können das Ziel haben, Patienten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sie
können Menschen verängstigen und davon abhalten, längerfristig wirksamere Therapien in
Anspruch zu nehmen. Jede Patientin und jeder Patient hat aus unserer Sicht ein Anrecht auf ehrliche
Erklärungen auf der Höhe der Zeit.

Und noch einige Punkte zur Therapie nach Liebscher & Bracht:

Bewegung ist gerade für Schmerzpatient*innen ein wichtiger Behandlungsansatz. Das gilt auch im
Rahmen der Therapie nach Liebscher & Bracht. Bewegung ist ein zentraler Pfeiler einer
zeitgemäßen Schmerztherapie, aber bitte nicht als „Kochbuch-Ansatz“. Das wird der Komplexität
und der Individualität der Betroffenen niemals gerecht und gilt für Liebscher & Bracht nicht
weniger als für uninspirierte, physiotherapeutische „Lösungen von der Stange“, wie sie auch in
unserem Bereich leider immer noch vorzufinden sind.

Welche Übungen, zu welchem Zeitpunkt, in welcher Dosierung, mit welchem Ziel passend sind, ist
von Mensch zu Mensch ganz verschieden. Menschen reagieren völlig unterschiedlich auf
verschiedene Bewegungsrichtungen, haben unterschiedliche Voraussetzungen, zeigen
unterschiedliche Schmerzmechanismen, die hinter den Beschwerden stehen. Betroffene sind ganz
unterschiedlich irritierbar, haben ganz verschiedene Begleiterkrankungen, Präferenzen, Ziele,
Einschränkungen, zeitliche Möglichkeiten, etc.

Es gibt eben nicht die einfache „Lösung von der Stange“, die diese Damen und Herren Ihnen mit
einer sehr erfolgreichen und akribisch geplanten Marketingstrategie verkaufen wollen. Eine
längerfristig erfolgreiche Therapie gegen Schmerzen setzt einen individuellen, ganzheitlichen
Ansatz voraus, der auf schmerzwissenschaftlichen Erkenntnissen beruht.

Eine Dehnungsübung zu machen, mit einer Osteopressur kurzzeitig den Schmerz zu lindern, mit
einem „Faszien Werkzeug“ zu „arbeiten“ oder Mikronährstoffe zu schlucken, ist noch lange keine
langfristig wirksame Schmerztherapie. Der folgende Abschnitt ist ein Zitat aus einem Beitrag über
Liebscher und Bracht aus „DIE ZEIT“ mit dem Titel „Wundermittel: Und das soll mir helfen?“
„Roland Liebscher-Bracht, Bestsellerautor, Schmerzspezialist, Heilsbringer, will eine Methode
entwickelt haben, die Knie- und Rückenschmerzen heilt. Bei manchen Patienten könne er die
Schmerzen in nur einer einzigen Behandlung verschwinden lassen, sagt er.

Das klingt zuversichtlich. Der Haken: Die Aussage verspricht deutlich mehr, als sie halten kann.
Der Sportwissenschaftler Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln hat sich die
Übungen genauer angeschaut: 2010 stellte er fest, dass die untersuchten Schmerzpatienten „direkt
nach der circa einstündigen, individuellen Behandlung signifikant weniger Schmerzen“ verspürten.
Auf der Website von Liebscher & Bracht taucht Froböse prominent auf. Fragt man den Forscher
heute, was er über die Methode denkt, merkt man ihm Unbehagen an.

Tatsächlich habe sich damals eine akute Wirkung bei den Probanden einer kleinen Studie gezeigt,
zwei, drei Tage später aber „war alles wie vorher, da sahen wir keine Beschwerde Besserung mehr“,
sagt Froböse. Er erklärt die akute Wirkung der Übungen mit deren starkem mechanischen Reiz:
„Haben Sie mal gesehen, wie stark die Patienten sich da dehnen müssen?“ Dieser Reiz überlagere
im Gehirn das chronische Schmerzsignal und lindere so die Beschwerden – vorübergehend.
Immerhin etwas, so könnte man argumentieren.

Trotzdem hat Froböse ein Problem mit dem, was Liebscher-Bracht tun: „Sie zelebrieren eine
Heilung, wobei aber leider der wissenschaftliche Beweis komplett fehlt“, sagt er. Ihre Vorträge und
Bücher hätten „etwas Sektenhaftes“. „Mir kommt es schon fast vor wie eine
Religionsgemeinschaft.“

Setzen Sie daher stattdessen auf eine wirksame und verantwortungsvolle Schmerztherapie!
Eine wirksame und verantwortungsvolle Schmerztherapie setzt voraus, dass Sie von einer Ärztin
oder einem Arzt bzw. einer Therapeutin bzw. einem Therapeuten solide untersucht werden, um
schwerwiegende Grunderkrankungen auszuschließen. Daneben müssen psychosoziale
Risikofaktoren, wie eine gedrückte Stimmung, Ängste und Sorgen in Bezug auf die Schmerzen
erfasst und ggf. therapiert werden.

Das gilt nicht weniger für ungünstige Verhaltensweisen im
Umgang mit den Beschwerden oder für generelle Lebensstilfaktoren (Schlaf, Stress, Ernährung,
Körpergewicht, etc.). Menschen und Schmerzen sind eben nicht mit „ingenieurwissenschaftlichen
Methoden zu verstehen“, wie L&B vollmundig behaupten, sondern nur in einer tatsächlich
ganzheitlichen (biopsychosozialen) Betrachtung.

Videos mit dem Titel („Schluss mit Knieschmerzen“, „Schluss mit Schulterschmerzen: Mache
täglich diese 3 Übungen!“, „Rücken dehnen: In 5 Minuten schmerzfrei“, wie sie vollmundig
präsentiert werden, scheinen vor diesem Hintergrund wenig seriöse Heilsversprechen.

Merke:
Viele der Erklärungsmodelle von Liebscher & Bracht hinken den Erkenntnissen der Wissenschaft
um Jahre hinterher. Sie sind größtenteils widerlegt und haltlos.

Machen Sie sich daher über Ihre Sitz- und Schlafhaltung, platzenden Bandscheiben, verfilzten Faszien etc. keine Sorgen.
Eine „Schmerztherapie“ nach Liebscher und Bracht beruht auf Anekdoten, nicht auf belastbaren
medizinischen Fakten.

Die konnten trotz der Millionenumsätzen bis dato nicht geliefert werden.

Glauben Sie deshalb nicht alles, was Sie hören oder lesen. „Lösungen von der Stange“, die bei
jedem gegen alle Beschwerden am Rücken oder den Gelenken helfen sollen, sollten Sie stutzig
machen. Wenden Sie sich stattdessen an eine medizinische Fachkraft mit profundem Wissen im
Bereich der modernen Schmerztherapie.

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